Möglicher Ablauf einer Lachyoga-Session (Dauer z. B. 1 Stunde)
Nach einer Begrüßungsrunde gibt es kurze inhaltliche Einführung über
Wirkungen, Konzept und Philosophie des Lachyoga (in der 1. Stunde
findet diese Einführung etwas ausführlicher statt, danach kann die
Einführung auf einen bestimmten Aspekt/ bestimmtes Thema reduziert
werden).
Dann erfolgt eine kleine Auflockerungsübung für die Gruppe, z.B.
Tanzen, Gymnastik oder Humorspielchen. Diese dient dazu, das
Miteinander in der Gruppe zu stärken und Berührungsängste zu überwinden.
Nach der Auflockerung folgt der Übergang zu den konkreten
Lachyoga-Übungen. Dies ist eine Kombination aus Klatschübungen,
Atemübungen, zwischendurch tiefes Ein- und Ausatmen sowie
pantomimischen Übungen, mit denen man ins Lachen kommen kann. Das
Prinzip dabei ist, dass die Teilnehmenden zunächst "so tun also ob",
bis sie durch sich gegenseitiges Anstecken und den Spaß an den Übungen
in das richtige Lachen hinein kommen.
Ein immer wiederkehrender Bestandteil innerhalb einer Lachyoga-Session
ist eine Klatschübung: Diese dient als Separator zwischen den
Lach-Übungen. Das Klatschen mit dem speziellen Ausruf "hoho-hahaha"
erhöht das Energieniveau und sorgt für erfrischende Bewegung. Das hat
gleichzeitig den Effekt einer dynamischen Atemübung, wobei die Atemwege
gereinigt werden und das Zwerchfell rhythmisch aktiviert wird.
Als Entspannungsteil zwischen den Übungen ist eine Atemübung
integriert. Dieses tiefe Atmen zwischendurch erhöht die
Lungenkapazität, hält den Kreislauf in Balance und sorgt für neue
Sauerstoffzufuhr in allen Körperzellen.
Hauptbestandteil der Lachyoga-Session sind schließlich die Lachübungen
selbst - dabei werden verschiedenste pantomimische Handlungen mit einem
absichtlichen, bewussten Lachen kombiniert. Dies sind sowohl
spielerische Übungen, bei denen jedwede Alltagshandlung mit einem
Lachen verbunden werden kann (Motorrad fahren, Zähne putzen, per Handy
telefonieren etc.) wie auch übertragene Übungen, bei denen es darum
geht, "über sich selbst zu lachen", "Stress wegzulachen" lachend zu
diskutieren etc. Die Klatsch- und Atemübungen werden immer wieder
zwischendurch als Separator eingesetzt, um den Ausgleich zwischen
Aktivität und Entspannung herzustellen.
Nach den Lachübungen kommt das "freie Lachen", oder auch die sogenannte
"Lach-Meditation." Hier gilt es, ohne Zwang, ohne Witze, ohne Reden
einfach das Lachen aus sich selbst heraus kommen zu lassen. Wer nicht
sofort ins Lachen kommt, kann auch einfach entspannt liegen oder durch
bewusst künstliches Lachen das Lachen aktiv anstoßen.
Zum Abschluss des "freien Lachens" folgt eine Entspannungsphase, die
wahlweise mit Mentaltraining verbunden werden kann. Üblich ist dabei
die "Körperreise" aus dem autogenen Training, bzw. das "Yoga Nidra",
bei dem jeder einzelne Körperteil bewusst in die Entspannung geführt
wird. Es folgt ein gemeinsamer Abschlussteil mit Affirmationen und
gegenseitigem Lob.
Empfohlene Gruppengröße
Die ansteckende Wirkung und die Dynamik des Lachens lässt sich optimal
entfalten bei einer Gruppengröße von mindestens 5 - 8 Personen. Je nach
Größe der Räumlichkeiten kann eine Lachyoga-Kurseinheit mit bis zu 30
Personen durchgeführt werden.
Lachen und Wissenschaft: Forschungsergebnisse der Gelotologen
Dr. William Fry, Neurologe an der Stanford Universität in Kalifornien, oft als der "Vater der Gelotologie" bezeichnet, fing schon in den späten 60er Jahren an, die Effekte des Lachens zu erforschen. Er stellte fest, dass Lachen den
Gasaustausch in der Lunge um das Drei- bis Vierfache gegenüber dem
Ruhezustand steigert. Er konnte beweisen, dass Lachen zu einer gesunden
Stimulation und zur tiefen Entspannung führt - erst wird der Körper
durch das Lachen trainiert, danach entspannt er sich. Lachen
bezeichnete er als gute Aerobic-Übung, die Muskeln, Herz und Nerven
erwärmt und entspannt, und dabei gleichzeitig die Lungen lüftet. Dr.
Fry fand heraus, dass eine Minute Lachen in der Wirkung vergleichbar
ist mit zehn Minuten Rudern oder 15 Minuten Joggen. Er konnte auch
beweisen, dass beim Lachen Endorphine („Glückshormone“) ausgeschüttet
werden – und dass das Risiko von Erkrankungen der Atemwege durch
herzhaftes Lachen verringert werden kann.
Paul McGhee, Psychologe, zählt ebenfalls zu den Pionieren der
Lachforschung. Er wies bereits in den 70er Jahren nach, dass durch
Lachen die Schmerztoleranz erhöht wird. Er bezeichnet das Lachen in
seiner Wirkung als vergleichbar mit verschiedenen Entspannungstechniken.
Der Journalist Norman Cousins verblüffte Ende der 70er Jahre die Welt
mit seinem Buch "Anatomy of an Illness" (1979), in deutscher
Übersetzung: „Der Arzt in uns selbst“, in dem er beschreibt, wie es ihm
gelang, durch Humor, Lachen und positives Denken eine tödliche
Gelenkkrankheit zu überwinden. Zehn Minuten Lachen täglich, so sagte
er, ermöglichten ihm zwei Stunden schmerzfreien Schlaf.
Untersuchungen des Neuro-Immunologen Lee Berk von der Loma Linda
University in Kalifornien ergaben, dass während und nach heftigem
Lachen die Aktivität der natürlichen Killerzellen und der
Immunglobuline (beide entscheidend für die Wirkung des Immunsystems)
deutlich ansteigen. Weitere Forschungen von Lee Berk ergaben, dass
bereits Vorfreude ausreicht, um die Anzahl von Endorphinen und anderen,
den Körper entspannenden Substanzen, zu erhöhen.
Dr. Michael Titze, Diplom-Psychologe, Psychotherapeut und Humorforscher
aus Tuttlingen, Deutschland, beschreibt in seinem Buch „Die heilende
Kraft des Lachens“ den Effekt von 30-minütigen Lachübungen so, dass die
Teilnehmer danach über ein gesteigertes Selbstwertgefühl berichten,
eine optimistischere Lebenseinstellung haben, und sich körperlich wohl
fühlen.
Der Arzt Dr. Hunter „Patch“ Adams (bekannt durch den Film "Patch Adams"
mit Robin Williams) war überzeugt, dass für eine erfolgreiche
medizinische Behandlung auch die „Verschreibung“ von mehr Humor nötig
ist. Er gründete das "Gesundheit! Institut", eine ganzheitliche
medizinische Gemeinschaft, die seit 1971 Tausende von Menschen
kostenfrei medizinisch versorgt. Daraus entwickelte sich die Bewegung
der Klinik-Clowns, die inzwischen auch in Europa schwerkranke Patienten
– große und kleine- am Krankenbett besuchen, um sie mit Humor
aufzumuntern und abzulenken.
Wichtige Lachforscher der Gegenwart sind Michael Titze, Peter Hain,
Madan Kataria, Christof Eschenröder, usw. In England gibt es sogar
schon das "Lachen auf Rezept", ausgebildete Lachtherapeuten bringen
ihren Patienten die Fröhlichkeit und die Gesundheit zurück.
Lachyoga gegen Stress: Studien aus Unternehmen
In einem IT-Unternehmen in Bangalore, Indien, wurde 2007 getestet,
welche Auswirkungen regelmäßige Lachyoga-Übungen auf die Mitarbeiter
haben. Die eine Gruppe hat über 18 Tage hinweg 7x Lachyoga gemacht, die
andere Gruppe normal weiter gearbeitet. Nach dieser Testphase stellte
man fest, dass Blutdruck und Pulsfrequenz bei den Lachyoga-Probanden
deutlich gesunken waren, woraus sich eine niedrigere Stressrate und
höhere körperliche Fitness schließen lassen. Außerdem hatte sich der
Ausstoß des Stresshormons Cortisol (das vor allem bei chronischem
Stress ausgestoßen wird) um 28% reduziert, bei der Kontrollgruppe nur
um 16%. Der seelisch empfundene Stress war bei den
Lachyoga-Praktizierenden um 11% zurück gegangen, bei der Kontrollgruppe
hatte sich dieser Wert kaum verändert. Das heißt: alle Indikatoren,
durch die sich Stress definiert, haben sich nach den Lachyoga-Übungen
reduziert. Geringerer Stress wiederum ist ein Indikator für
Wohlbefinden von Körper und Geist.
In einem Unternehmen in den USA wurden tägliche 15-minütige
Lachyogasessions mit 33 Angestellten durchgeführt. Zur Überprüfung der
Wirkung wurde vor und nach der Testphase das sogenannte „Capabilities
Awareness Profile“ aufgenommen: Es gab Fragebögen zur Bewertung der
eigenen Stimmung, zu Stressempfinden und anderen Indikatoren. Der
Schwerpunkt der abgefragten Kriterien lag auf der „Self-Efficacy“, also
der Arbeitseffektivität insgesamt (wörtlich übersetzt
„Selbst-Wirksamkeit“). Die Ergebnisse nach 3 Wochen täglichen Lachyoga-Sessions:
Aufgabenbezogene Kompetenzen („Self Competencies“) wie Motivation,
Optimismus, Anpassungsfähigkeit, Selbstvertrauen etc. sind um 115%
gestiegen, soziale Kompetenzen („Relational Competencies“) haben sich
um 48% erhöht. Die Ergebnisse 60 - 90 Tage nach Beendigung der täglichen
Lachyoga-Sessions: aufgabenbezogene Kompetenzen („Self Competencies“)
wie Motivation, Optimismus, Anpassungsfähigkeit und Selbstvertrauen
sind immer noch um 85% höher als vor der Testphase, soziale Kompetenzen
(„Relational Competencies“) liegen immer noch um 30% höher als vor der
Testphase. Außerdem stiegen die Teilnehmer der Studie, die vorher als
„Mitarbeiter mit Potenzial“ (= Potenzial für Wachstum und Entwicklung)
bewertet wurden, danach in die Bewertungskategorie „Asset“ auf, also
Mitarbeiter mit verstärkten Fähigkeiten und dem Potenzial,
herausragende Leistungen zu bringen.
Fazit: Die Effekte des täglichen Lachyoga sind zweifelsohne in allen
Bereichen positiv. Selbst 60-90 Tage nach Beendigung der
Lachyoga-Sessions ist die Wirkung nur geringfügig zurück gegangen. Ein
Langzeiteffekt ist also gegeben.
|