Wahre Ruhe ist nicht Mangel an Bewegung. Sie ist das Gleichgewicht der Bewegung.
Ernst Freiherr von Feuchtersleben

 
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Liebling des Monats: Jojobaöl

Neulich im Badezimmer: Es ist spät, die Kleine sollte längst schon im Bett sein, weigert sich aber trotz Großaufmarsch der Quietscheenten beharrlich, ins Wasser zu steigen, um zu baden. Vehement und nachhaltig.

Und macht plötzlich ein überraschendes Angebot: „Wenn wir dein Jojobabad nehmen, geh ich rein!“

Hoppla! Dass meine Nichte die Fashiongene ihrer Mutter geerbt hat, war zu erwarten. Doch dass sie sich mit ihren sechs Jahren jetzt auch schon im Beautycase meiner Schwester auskennt, überrascht dann doch. Denn der hatte ich zum Geburtstag ein wunderbar duftendes und noch viel wunderbarer pflegendes Badeöl geschenkt – natürlich nach ausgiebigem Selbsttest. So weich hatte sich meine Haut noch nie nach dem Baden angefühlt. Auch Stunden danach hatte ich nicht das Bedürfnis mich einzucremen, was ich zunächst wegen des tollen Duftes und meiner wirklich superweichen Haut verschoben hatte.

Ich ließ mich auf den Deal ein. Meine Nichte hielt sich zum Glück auch daran. Und siehe da: Ein Minitropfen des guten Ölbads entspannte die Stimmung vollkommen. Während sie da also wieder ganz friedlich vor sich hin plantschte, fragte ich mich: Was ist eigentlich Jojoba, dieser Superweichmacher und Retter des entspannten Babysitterabends? Klar, gelesen hatte ich schon oft davon auf verschiedenen Inhaltsstofflisten. Doch mein Verhältnis zu diesem Wunderöl war jetzt ein ganz neues...

Und so machte ich mich, als die Kleine endlich schlummerte, in den Weiten des Internets auf die Suche. Ich erfuhr, dass Jobobaöl im eigentlichen Sinne gar kein Öl ist. Sondern ein hellgelbes, flüssiges Wachs, das aus den Nüssen des Jojobastrauches gewonnen wird. Durch seine spezielle, wachsartige Struktur kann Jojobaöl nicht oxidieren und somit deutlich schwerer ranzig werden als andere Öle. Es ist besonders reich an Vitamin E und ungesättigten Fettsäuren. Und es ist unseren hauteigenen Wachsen sehr ähnlich – deshalb wird es, im Gegensatz zu vielen anderen Ölen, von der Haut sehr schnell aufgenommen und dringt bis in die untersten Hautgewebeschichten vor. Es stabilisiert den Fett- und Feuchtigkeitsgehalt und verbessert die Hautelastizität – daher also dieses wunderbar weiche Gefühl nach dem Jojobaölbad!

Bis in die 70er Jahre kannte hierzulande angeblich nur eine Hand voll Botaniker und Pharmakologen Jojobaöl – heute ist es beliebter und viel verwendeter Bestandteil der unterschiedlichsten Kosmetika. In Cremes, Badezusätzen und Lippenpflege ist es zu finden, aber auch Haaren und Fingernägeln kann das hellgelbe Flüssigwachs Gutes tun:
Ein Teelöffel reines Basisöl auf 100 ml Haarshampoo wirkt gegen Schuppen und Haarausfall, strafft die Kopfhaut und gibt Glanz und Fülle. (Das, dachte ich, wäre ein gutes nächstes Geschenk für meine Schwester – wer weiß, wofür ich es dann auch mal wieder gebrauchen könnte...). Zu gleichen Teilen mit Nachtkerzenöl und Teebaumöl gemischt, ergibt Jojobaöl ein reichhaltiges Pflegeöl für glanzlose Fingernägel und hilft hervorragend bei eingerissener Nagelhaut. Denn dem Öl werden auch entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben, weshalb es gerne in After Sun-Produkten zum Einsatz kommt. Und auch vor dem Sonnen ist es nicht verkehrt, da das Wachs sogar einen Lichtschutzfaktor von drei bis vier Stunden bieten kann.

Mittlerweile wird Jojobaöl nicht nur in der Kosmetik eingesetzt, sondern dient auch als Schmiermittel für Präzisionsinstrumente.
Selbst als Treibstoff ist es zu verwenden, glaubt man den Studien arabischer Forscher. Diese untersuchen die Eignung von Jojobaöl als Dieselersatz. Das ungiftige und schwefelfreie Jojobaöl setzt bei der Verbrennung wegen seines niedrigeren Kohlenstoffgehaltes geringere Mengen an Kohlenmonoxid und Kohlendioxid frei als herkömmlicher Dieselkraftstoff. Zudem fallen keine gefährlichen Schwefeloxide und Ruß an.

Den Namen "Jojoba" leiteten die Spanier aus dem Wort "Jojowi" aus der Sprache der Papago-Indianer ab, die mit dem Öl unter anderem Magenkrankheiten kurierten. Als Schmerzmittel setzten es die Apachen angeblich ein, vielleicht verspüren Indianer deshalb keinen Schmerz (auch das sollte man meiner Nichte bei Gelegenheit näherbringen...). Erst im 18. Jahrhundert kam das Wachs der Jojobanüsse nach Europa – und wer auch immer ihm den Weg in die Kosmetik und letztlich in mein friedenstiftendes Badeöl bereitet hat: Herzlichen Dank dafür!

 

Quelle: www.naturalbeauty.de

 
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